Wie kam es überhaupt dazu, dass du mit dem Paraklettern begonnen hast?
Larissa: Ich klettere schon seit meiner Jugend, damals in der Jugendgruppe Oberndorf. Vor fünf Jahren kam dann ein Unfall, und die Ärzte waren sich ziemlich sicher: Klettern? Vergiss es. Beide Handgelenke wurden komplett versteift. Kraft, Beweglichkeit und Koordination in Unterarmen und Fingern sind eingeschränkt, dazu kommen noch ein paar weitere kleinere Einschränkungen. Nichts desto Trotz habe ich recht schnell wieder mit klettern angefangen und fand heraus, dass diese Leidenschaft einfach die beste Medizin für mich ist.
Deine erste Wettkampferfahrung hast du schon vorher gesammelt, richtig?
Larissa: Genau! Letztes Jahr habe ich ziemlich spontan an einem offenen Parakletter-Wettkampf in Karlsruhe teilgenommen – eher aus Eigenmotivation. Am Ende wurde ich Dritte in der RP-Klasse, aber eigentlich war das Beste die Community: Ich habe Athlet:innen aus dem Nationalkader kennengelernt, die mich später immer wieder ermutigt haben, bei der Deutschen Meisterschaft anzutreten.
Hattest du vor der Teilnahme Zweifel?
Larissa: Ja, auf jeden Fall! Ich wusste genau, wie stark meine Gegnerinnen waren – Chancen auf den vorderen Platz? Definitiv nicht vorhanden. Aber manchmal muss man sich einfach trauen und es dennoch probieren. Die Entscheidung, teilzunehmen, fiel ziemlich kurzfristig, rund um Ostern, und ich hatte nur etwa einen Monat gezielte Vorbereitung. Dabei sein ist alles, auch wenn mein Anspruch an mich eher höher ist. In diesem Fall hat es sich aber definitiv gelohnt.
Wie lief der Wettkampf selbst für dich?
Larissa: Ich habe beide Qualirouten geschafft, was schon ein kleiner Erfolg ist, denn der Klettergrat war für mich eher Neuland. Am Ende wurde ich Fünfte, und im Vergleich mit den erfahrenen Athletinnen sieht man auch, wie viel noch möglich ist. Nach nur einem Monat Training bin ich damit ziemlich zufrieden. Ich bin zwar ein Wettkampfmensch und kann mich gut fokussieren, aber die ganze Aufmerksamkeit drumherum ist noch nicht so meins :P – an der Wand fühle ich mich wohler. Und ich finde es einfach wahnsinnig beeindruckend, wie viel Einsatz und Können jede:r im Paraklettern mitbringt.
Wie hast du die Atmosphäre vor Ort erlebt?
Larissa: Die war wirklich besonders. Die Organisation war top, die Kulisse beeindruckend – aber vor allem der Umgang untereinander hat mich beeindruckt. Es war sehr offen und unterstützend. Man hat sich gegenseitig Tipps gegeben und sich gesichert. Dieser Gemeinschaftsgedanke ist im Paraklettern wirklich stark spürbar. Auch am nächsten Tag, als die Routen noch einmal in entspannter Atmosphäre geklettert werden konnten, hat sich das gezeigt.
Was nimmst du aus diesem Wettkampf für dich mit?
Larissa: Vor allem Motivation. Ich möchte mich weiterentwickeln, neue Klettergrade erreichen und kreative Lösungen für Bewegungen finden, die für mich nicht auf herkömmlichem Weg möglich sind.
Kannst du dir vorstellen, wieder an Wettkämpfen teilzunehmen?
Larissa: Es reizt mich auf jeden Fall, wieder anzutreten – aber erst, wenn mein Niveau so weit gestiegen ist, dass ich auch eine echte Chance habe, weiter vorne mitzuspielen. Also mal schauen ob’s klappt.
Gibt es jemanden, dem du besonders danken möchtest?
Larissa: Auf jeden Fall möchte ich Jonas danken, der in den letzten Wochen unzählige Stunden mit mir im K5 trainiert hat – ohne seine Unterstützung wäre ich nicht so schnell weitergekommen. Ebenso gilt der Dank Thomas und allen, die mich im Training oder außerhalb begleitet und unterstützt haben. Ein besonderer Dank geht auch an meine Sektion, die mich unterstützt hat – das bedeutet mir sehr viel. Es hat mich stolz gemacht, sie vertreten zu dürfen, und ich hoffe, dass ich mich sportlich weiterentwickeln und in Zukunft noch weitere Schritte nach vorne machen kann.